Bali — ein Ort der durch Rituale & Zeremonien lebt

Gastartikel von Frauke Schroth

Auf ganz Bali ertönt mit dem Aufgang der Sonne das Gayatri Mantra aus den Tempeln, aller Dörfer. Gleiches geschieht um die Mittagszeit, wenn die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht und am Abend, wenn sie wieder unter geht. 

Bunte, süßlich duftende Opfergaben werden täglich an hauseigene Tempel gebracht, begleitet durch ein Summen von Mantren und achtsames Sprenkeln von gesegnetem Tempel-Wasser. Liebevoll werden die kleinen Gaben den Göttern wie auch den Dämonen dargebracht. Ein Tempel ist ein Ort hoher Achtsamkeit, an dem in Bali kleine Opferrituale manchmal mehrmals täglich zelebriert werden. Jedes balinesische Haus hat mindestens einen Tempel. Opfergaben bedeutet in Bali vor allem das Erzeugen von heiligen Dingen.

Ein Tag vor dem Vollmond treffen sich ganze Gemeinschaften am Wassertempel. Sie legen Opfergaben dar, empfangen Segnungen, lassen Körper, Geist und Herz von dem Tempelwasser reinigen, sie schaffen Platz für Neues.

Rituale und Zeremonien lassen das Leben festlich und zauberhaft erscheinen. 

Auf Bali beginnt ein neues Jahr mit einem Tag der Stille. Der Flughafen ruht, kein Mensch ist auf den Straßen. Die Stille ist magisch.

Rituale schaffen durch ihre Regelmäßigkeit eine gewisse Stabilität und Struktur. Ihre Wiederholungen schaffen Wiedererkennung, wodurch Vertrautheit wie auch eine gewisse Verbundenheit entsteht.

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Die balinesische Kultur ist verwurzelt in Traditionen von Ritus und Zeremonie. Viele der Inselbewohner*innen widmen einen großen Teil ihrer Zeit und ihres Geldes dem zeremoniellen Leben. Tägliche Gaben werden mit höchster Achtsamkeit, Freude und Anmut verrichtet. So werden einfache Dinge zu heiligen Dingen. Blüten, Reis, Palmenblätter, Geld, Wasser. Im fast meditativen Zustand werden die Zeremonien durchgeführt. Freundlichkeit schwebt in der Luft.

Für viele der Inselbewohner*innen liegt die Kunst des Lebens im Zustand von Balance. Bali heißt auch ‘die Insel der Götter und Dämonen’. So sieht die balinesische Inselbevölkerung Stärke in den Göttern wie auch in den Dämonen. Der Zustand von Balance entsteht aus dem gemeinsamen Tanz von göttlichen und dämonischen Kräften. Das Eine schließt das Anderer nicht aus. 

Auf Bali bilden tägliche Opferrituale, Reinigungszeremonien, Rituale zu Neu- und Vollmond, und Segnungen einen festen Bestandteil des Insellebens. Selbstverständlich ist es für die Menschen dort, dass eine unsichtbare Welt existiert, innerhalb der sichtbaren Welt von Natur und Materie.

Ich lies mich inspirierten von den balinesischen Zeremonien und Riten, die ich so sehr liebe zu beobachten. Ihre Inszenierungen, voller Achtsamkeit und Präsenz, geben viel Raum für Zauber und Magie.

Jede Kultur hat ihre Riten und Zeremonien. Wobei das Zelebrieren von Ritualen nur noch wenig Bedeutung hat, in einer digitalen, von Produktion und Konsum geprägten Gesellschaft. Bali ist nach wie vor ein Ort an dem Rituale einen lebendigen Anteil des täglichen Lebens bilden.

Rituale können in Gruppen aber auch persönlich und frei gestaltet werden.

Das Anzünden einer Kerze, Meditation, Yoga, Gebet, das morgendliche Duschen, Zähneputzen, all diese Aktionen können Ritual Charakter bekommen, durch Achtsamkeit, Anmut, Präsenz und Spiel.

Rituale sind verbindlich. Sie können Gesellschaften, Beziehungen aber auch das Selbst zusammenhalten.  

Wünschst du dir mehr Raum für Zauber, Glitzer und Magie? Dann lasse dich von diesen Ideen inspirieren und gestalte dein eigenes, persönliches Ritual. 

Überlege dir wann eine gute Zeit für dein Ritual ist.

Am morgen, Mittag oder am Abend, zu Vollmond oder zu Neumond, zu Weihnachen oder zu Neujahr… Ein Ritual hat Wieder-Erkennungswert, es wiederholt sich täglich, wöchentlich, monatlich oder jährlich, es öffnet den Raum für deine heilige Zeit.

Du kannst dein Ritual in einer bestimmten Routine abhalten oder du lässt es ganz im Fluss und schaust, wann immer du dich nach einem bestimmten Ritual fühlst. Wichtig bei deinem Ritual ist die feierliche Stimmung.

Ideen für kleine Rituale

Deine Tee-Zeremonie. 

Stelle dir eine kleine Auswahl von Blüten, Kräutern und Rinden zusammen. Informiere dich über die Wirkung und Kraft der Tees, die dich besonders ansprechen. Achte beim Kauf auf beste Bio-Qualität. 

Für deine Zeremonie, wähle achtsam und intuitiv deinen Zeremonie-Mix aus Blüten, Kräutern und Rinden. Setze dich an einen dir angenehmen Ort, schließe die Augen und nimm die Wärme, den Geruch von deinem Tee wahr. Feiere, zelebriere deinen selbstgemixten Tee, seinen Duft, seinen Geschmack. Nimm dir Zeit um deinen Tee zu trinken. Sei mit dir und deinem Tee, bis du ihn ausgetrunken hast. Beende deine Zeremonie, in dem du dich bei der Natur, all den Menschen, deinen Sinnen bedankst, die dir diese Zeremonie möglich gemacht haben.

Münz-Ritual.

Nimm die kleinen, goldenen Münzen aus deinem Portemonnaie. Wenn dort keine kleinen Münzen sind, dann warte auf dein nächstes Wechselgeld :)

Lege sie an einem dir heiligen oder angenehmen Ort und bedanke dich dafür dass diese Münzen bei dir sein können.

Nimm dir ein paar der Münzen, bevor du das nächste Mal dein Haus, oder deine Wohnung verlässt, lege sie in deine Hosentasche, oder dorthin, wo du sie schnell greifen kannst und gebe eine oder alle der Münzen dem Ersten, der dich um eine Spende, Kleingeld, etc. bittet. 

Morgen-Ritual.

Überlege dir, wieviel Zeit du für ein morgendliches Ritual zur Verfügung hast, vielleicht kannst du deinen Wecker ein paar Minuten früher stellen.

Dein morgendliches Ritual, kann den Ton für deinen Tag setzen und dir mehr Leichtigkeit, Achtsamkeit, Stabilität und Konzentration schenken. 

Wenn möglich, schalte dein Handy am Abend aus und lasse es für die Zeit deines Rituals weiterhin ausgeschaltet. Kreiere einen dir angenehmen und heiligen Raum. 

. übe eine kurze Yoga Sequenz

ODER

. meditiere für ein paar Minuten

ODER

. schreibe deine Träume auf

ODER

. mache eine Tee-Zeremonie

ODER

. schreibe deine to-do-liste für den Tag und entscheide dich für die wichtigsten.

Wenn du noch mehr über die Kraft und Ausführung von Ritualen wissen möchtest, komme zu unserem Workshop am 20. September zum Thema Yoga & Rituale.

Ein Teil meines Herzens ruht auf Bali. 

Wenn ich einige Monate in Europa verbringe und dann zurück nach Bali komme, fasziniert mich die inneren Ruhe, Gelassenheit und Verbundenheit der Menschen dort, immer wieder neu.

Bali ist für mich eine Insel des warmen Lächelns.

Ist es das Leben unter der Sonne? 

Oder das Ehren von dem Fluss des Lebens?  

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Über die Autorin:
Frauke ist mehrfach ausgebildete Yoga und Meditationslehrerin. Seit 2016 bildet sie Yogalehrer*innen aus und ist bekannt für ihr offenes, positives Wesen und ihre inspirierende Weise Yoga zu unterrichten.

Fraukes Unterricht kreiert eine Balance aus körperlichen und geistigen Themen und Übungen. Frieden, Liebe, Erdung, Klarheit, Offenheit sind Eigenschaften, die oft in ihren Klassen erfahrbar werden. Frauke lebt heute auf Bali und reist regelmäßig zurück in ihre Heimat, um Ausbildungen, Workshops und Retreats zu halten. Inspiriert und verzaubert von der Herzlichkeit der balinesischen Kultur, dem natürlichen Fluss des Gebens und Nehmens, der auf der Insel herrscht, teilt sie ihr Wissen über Yoga mit Freundlichkeit, Leidenschaft und Professionalität. In ihren Klassen integriert sie dynamische oder ruhige Yogastile, präzise wie auch individuelle Ausrichtung, Meditation, Visualisierung und Intention, um eine innere Reise in Richtung Gesundheit, Frieden und Selbstwert zu kreieren.

Ihre nächste Yoga Lehrer Ausbildung findet auf Bali statt.